UX Design 4 min

Wenn Nutzer nicht finden, was sie suchen: Navigationsstruktur unter der Lupe

389 Stimmen
Wenn Nutzer nicht finden, was sie suchen: Navigationsstruktur unter der Lupe

Ein Onlineshop für Schreibwaren hatte seine Kategorien so aufgebaut, wie es das interne Team für sinnvoll hielt: nach Produkttyp, Marke, Papierformat. Die Logik dahinter war nachvollziehbar. Nur die Nutzer teilten sie nicht.

Das Problem mit internen Kategorien

Recherchen zeigten, dass Nutzer nach Anwendungsfall suchten, nicht nach Produkttyp. Jemand, der ein Notizbuch zum Skizzieren kaufen wollte, suchte unter Zeichenzubehör, nicht unter Notizbücher. Wer Stifte für die Schule brauchte, klickte sich durch Marken, obwohl er die Marken gar nicht kannte.

Das Team hatte seine eigene Fachsprache in die Navigation übertragen. Nutzer brachten eine andere Sprache mit.

Der Weg zur Lösung

Ein sogenannter Card-Sorting-Test half dabei, die tatsächliche mentale Struktur der Nutzer sichtbar zu machen. Dabei ordnen Testteilnehmer Begriffe und Kategorien nach eigenem Ermessen. Das Ergebnis zeigte deutlich: Anwendungsfälle und Materialien waren wichtiger als Marken oder Formate.

  • Die Navigation wurde um eine Anwendungsfall-Ebene ergänzt
  • Marken wurden in Filteroptionen verschoben, nicht in die Hauptnavigation
  • Suchvorschläge wurden mit häufigen Nutzerbegriffen ergänzt

Was dieser Fall zeigt

Navigationsprobleme entstehen selten durch schlechtes Design im handwerklichen Sinne. Häufiger entsteht Verwirrung, wenn die Struktur der Plattform die interne Sichtweise widerspiegelt statt die des Nutzers. Card Sorting ist ein einfaches Mittel, diesen Unterschied sichtbar zu machen.

Was Nutzertests wirklich zeigen

Viele Designentscheidungen wirken im Team schlüssig, scheitern aber bei echten Anwendern. Nutzertests mit fünf bis acht Teilnehmenden decken erfahrungsgemäß den Großteil der kritischen Schwachstellen auf — ohne aufwendige Laborinfrastruktur.

Entscheidend ist dabei die Aufgabenformulierung. Offene Szenarien statt direkter Anweisungen liefern authentischeres Verhalten und sinnvollere Erkenntnisse für die Überarbeitung.

Drei Metriken, die zählen

Statt lange Kriterienlisten abzuarbeiten, genügt es oft, sich auf wenige aussagekräftige Kennzahlen zu konzentrieren.

Aufgabenerfüllungsrate je Seitentyp
Zeit bis zur ersten korrekten Interaktion
Wiederholungsrate bei Fehleingaben

Warum Iteration den Unterschied macht

Ein einmaliges Usability-Audit verändert selten dauerhaft, wie ein Produkt funktioniert. Erst regelmäßige Testzyklen — idealerweise nach jedem größeren Release — erzeugen ein belastbares Bild davon, ob Anpassungen tatsächlich wirken.

Dabei muss nicht alles gemessen werden. Gezielt ausgewählte Szenarien, die bekannte Problemzonen abdecken, sind effizienter als allgemeine Erhebungen.

Den nächsten Schritt im UX-Design gehen

Das Lernprogramm von Domain behandelt genau die Themen, die in diesem Artikel nur angerissen werden konnten — mit strukturierten Lektionen, Übungsaufgaben und direktem Feedback. Wer ernsthaft Nutzererlebnisse gestalten möchte, findet dort einen klaren Einstiegspunkt.

12 strukturierte Lernmodule
8 Praxisprojekte enthalten